Das bin ich...

1977 kam ich im Südosten der Türkei im TurAbdin als sechstes von sieben Kindern zur Welt. Ich verbrachte die ersten drei Jahre meines Lebens in einem kleinen Dorf bei Nisibin, nahe der Syrischen Grenze.

 

In den 70er Jahren, nahm die Verfolgung der Christen im TurAbdin so zu, dass meine Familie beschloss, 1980 unsere Heimat zu verlassen, um nach Deutschland zu fliehen. Meine einzigen Erinnerungen an die Flucht sind die tröstenden aramäischen Gesänge unseres Vaters.

 

Meine Seele schmiegte sich an die neue westliche Welt, als hätte sie nie einen anderen Ort gekannt und langsam verblassten die Erinnerungen an den TurAbdin. In Deutschland war es unseren Eltern sehr wichtig, ihre Kinder nach den aramäischen Traditionen zu erziehen. So unterrichtete unser Vater uns die heiligen aramäischen Riten und die aramäische Sprache. Mir war all das zu eng und ich beschloß mit 18 Jahren, gegen den Willen meiner Eltern, meine Cousine in Australien für mehrere Monate zu besuchen.

 

Nachdem ich zurückkehren musste, begann ich eine Ausbildung bei einer Bank und arbeitete nach meinem Abschluss für verschiedene Investmentbanken in Frankfurt. Nach 13 Jahren spürte ich, dass sich mein Herz nach einer beruflichen Veränderung sehnte.

Auf den spuren meiner Seele

Je mehr ich in mich kehrte, um herauszufinden wer ich bin und was meine Wünsche sind, umso wichtiger wurde es, meinen Ursprung und Wesenskern kennenzulernen. Dabei kamen mir die Worte meiner Eltern ins Gedächtnis zu Gott und seiner Philosophie über die Liebe. Ich beschäftigte mich mit dieser Lehre, ihren Werten und dieser bedingungslosen Liebe; selbst in meinen Träumen bekamen sie eine immer größere Bedeutung.

 

Eines Tages erhielt ich einen Anruf von einem mir unbekannten aramäischen Mönch namens Simun, der mich einlud, ihn in Jerusalem zu besuchen. Nachdem er mir erzählte, wie er zu meiner Mobilnummer kam, reisten wir mit einigen Freunden und meiner Familie 2014 nach Jerusalem.

 

Vertrauensvoll erzählte ich Simun, was mich die letzten Jahre bewegte und wie intensiv ich träumte. Ich war sehr dankbar für seine Begleitung, denn in Jerusalem konnte ich vieles meiner Träume verstehen. Bei einem aramäischen Ritual am vorletzten Abend, bat mich Simun um ein Gebet. Wir Aramäer singen unsere Gebete für Gott und so erinnerte ich mich an die Gesänge unseres Vaters - die der Flucht und die unserer Kindheit. Ich fasste all meinen Mut zusammen und begann zu beten. 

 

Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich in sein berührtes Gesicht und er umarmte mich mit den Worten: "Vielleicht ist es der Gesang Deiner Ahnen, wonach sich Dein Herz sehnt." 

 

Zurück in Deutschland wusste ich zunächst nicht, wie ich dies umsetzen sollte. Doch die Dinge fanden zu mir und so sang ich für geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten, bei Feierlichkeiten für den Frieden, in Flüchtlingsheimen und ich engagierte mich für den Dialog zwischen den Kulturen. So sang ich auch für die Feierlichkeit des 100jährigen Genozids an den Armeniern, Aramäern und Pontosgriechen im Berliner Dom im April 2015.  

 

Ein Darmstädter Krankenhaus stellte mir 2016 seinen Klang- und Gymnastikraum zur Verfügung und so veranstaltete ich Klangmeditationen für Kinder und Erwachsene. Was ich erleben durfte, war in Worte kaum zu fassen, ich fühlte eine tiefe Freude, Demut und Dankbarkeit. So begann ich Klänge & Frequenzen und deren Wirkung auf uns Menschen zu erforschen. Vor allem interessierte es mich, welche Bedeutung Klang für meine mesopotamischen Vorfahren vor ca. 6000 Jahren hatte.

 

Im September 2018 fand der "1st Neuroscience Congress in Music" in Berlin statt. Ärzte und Wissenschaftler aus Europa und Russland präsentierten ihre Forschungsergebnisse über die Wirkung und den Einfluss von Klang auf den Menschen. Im Rahmen dieses Kongresses wurde ich für eine Live Performance eingeladen, bei der "live" Messungen bei einem Probanden durchgeführt wurden, um die Wirkung des Gesangs zu verdeutlichen.

 

Seit 2017 begleite ich Menschen auf ihrem Weg zu einem erfüllten Leben im Einklang mit sich selbst, ihrer Umwelt und der Natur. Im Zentrum meiner Arbeit steht dabei die Rückkehr zu einer anhaltenden Balance zwischen Körper, Geist und Seele.