Maria Kaplan
Aramäischer Gesang
Maria Kaplan
Aramäischer Gesang

Zu mir

Geboren bin ich 1977 als Hazniye Kaplan in Nisibin, der heutigen Türkei - an der Grenze zu Syrien. Meine Familie lebte in einem Dorf des früheren Mesopotamiens, dem Tur Abdin. Dieses befindet sich am Oberlauf des Tigris und bedeutet "Berg der Diener Gottes". Drei Tage vor meiner Geburt, verstarb ein sehr geschätzter Geistlicher unserer Familie. So entschied man, mir den Namen Hazniye zu geben, welcher "Traurigkeit" bedeutet. 

Als das Leben der Christen in dieser Region Ende der 70er Jahre zunehmend schwieriger und unsicherer wurde, beschloss meine Familie 1979, ihre Heimat zu verlassen, ich war knapp 3 Jahre alt. Auf der Flucht sang unser Vater immer wieder aramäische Lieder, die uns Kraft und neuen Mut schenkten. Noch heute erzählt unsere Mutter davon, wie dies unserer Familie half, die Flucht zu überleben.  

In Deutschland fanden wir eine neue Heimat und ich meinen Platz im Kindergarten. Christa, meine Erzieherin, die meinen Namen nicht aussprechen oder merken konnte, fragte mich irgendwann, ob sie mich Maria nennen dürfte. Als meine Mutter dies erfuhr, standen ihr die Tränen in den Augen, denn dies war ihr Wunschname - ab diesem Moment war ich Maria. Immer wieder betonen unsere Eltern ihre Dankbarkeit gegenüber diesem Land und den Menschen, die ihnen eine neue Heimat schenkten. Natürlich hinterließ die Flucht auch bei ihnen tiefe Eindrücke und so waren sie sehr bemüht, dass wir Kinder Berufe ausübten, die uns finanziell unabhängig machten. 

So arbeitete ich für mehrere Jahre bei zwei Investmentbanken in Frankfurt und später für einen regionalen Fernsehsender. Auch wenn die Arbeit mir große Freude bereitete, erfüllen konnte sie mich nicht.